Reims 6.-8. Juli 2012

„Hallo liebe Mitcitroenisten,

die Stadt Reims feiert dieses Jahr am 7./8. Juli die dt.-frz. Aussöhnung vor 50 Jahren durch Adenauer und de Gaulle in der Kathedrale von Reims. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten sollen 25 Oldtimer aus Frankreich und 25 Oldtimer aus Deutschland vor der Mairie ausgestellt werden und nach einem gemeinsamen Cocktail eine Parade durch die Stadt Reims machen. Seitens der Organisatoren will man sich auch um die Unterbringung kümmern. Wer Lust hat, an diesem mMn tollen Projekt teilzunehmen, ein Stück dt-frz Freundschaft bzw. Europa zu leben, möge sich bitte mit mir in Verbindung setzen. Viele Grüße und vive l´Europe et l'amitié franco-allemande!“

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Mit diesem Aufruf Anfang Juni fing alles an.

Für ausgefallene Ideen (sei es mit oder ohne unsere ID) sind wir eigentlich immer zu haben, zudem erschien uns diese hier besonders gut und richtig – also haben wir uns spontan angemeldet.

Leider war die übrige Resonanz auf deutscher Seite eher mager, vielen erschien wohl die zurückzulegende Strecke für ein Wochenende zu groß, andere hatten das WE schon anders verplant – es war schließlich Ferienzeit – und zu schlechter Letzt machte einigen Interessierten das Auto bzw. die Zulassungsbehörde einen Strich durch die Rechnung.

Am Ende waren es daher nur vier D-Modelle und ihre sieben Insassen (Anna & Ingo, Norbert, Christel & Peter, Chris & Michaela), die sich am Freitag, den 6. Juli auf den Weg nach Reims machten. Die Dortmunder und die Sauerländer trafen sich am Nachmittag in Aachen, um dann den Rest des Weges gemeinsam zurückzulegen; wir konnten leider erst später starten, sodass wir den anderen in die Nacht hinein hinterherfuhren. Verabredet war, uns nach unserer Ankunft in Reims zusammenzutelefonieren, um dann – je nach Uhrzeit – noch zum Treffen mit den Organisatoren vom BCE Reims (Les belles champenoises d´epoque) in deren Clubhaus hinzuzustoßen.

Soweit der Plan. Bis kurz vor Reims ging auch alles gut, ein gelegentliches Quietschen von hinten rechts beunruhigte uns nicht weiter, kommt halt schon mal vor... Leider sind wir dann eine Ausfahrt zu früh abgefahren, und beim Umherirren auf der Suche nach dem richtigen Weg wurde aus dem Quietschen ein Poltern und Rumpeln – macht nix, erst mal ankommen, dann sehen wir nach… Mit reduzierter Geschwindigkeit weiter – von hinten roch’s inzwischen unangenehm – bis dahin, wo unsere Unterkunft sein sollte. Sind wir hier wirklich richtig? Egal, da ist ein Parkplatz, anhalten! Beim Aussteigen stellten wir fest: Der Reifen hinten rechts hing in Fetzen, wir waren die letzten Kilometer nach Reims hinein auf drei Rädern unterwegs gewesen (inwieweit Herr de Gaulle hier seine Finger im Spiel hatte, ist nicht überliefert  ).

Inzwischen war es Mitternacht, also kurz Durchatmen und erst einmal unseren Mitstreitern Bescheid geben. Am anderen Ende der Leitung hörten wir dann nur: „Was steht auf dem Schild an der Straßenecke? – Perfekt, bleibt wo Ihr seid, wir kommen!“ – und kaum hatten wir Reserverad und Werkzeug ausgepackt, wurden wir von einer Welle der Hilfsbereitschaft förmlich überrollt.
Denn es kamen nicht nur unsere Mitfahrer, auch die französischen Kollegen, mit denen sie noch im Clubhaus zusammengesessen hatten, waren mit von der Partie. In Windeseile wurde nun der Reifen gewechselt und alles wieder verstaut, dabei der ruhige Motorlauf unserer alten Dame nach der langen Fahrt bewundert und auch ansonsten jede Menge deutsch-französisches Kauderwelsch ausgetauscht, denn der französischen Sprache wirklich mächtig war nur einer aus unserem Kreis und bei den Franzosen sah es umgekehrt ähnlich aus. Aber wie wir später noch häufiger erleben durften: Zur Verständigung braucht es keine perfekten Sprachkenntnisse, nur gemeinsames Interesse und guten Willen!

Der Weg zu unserer Unterkunft war dann kurz: Wir standen tatsächlich direkt davor, hatten es nur nicht registriert, denn die Einfahrt befand sich auf der anderen Seite des Gebäudes. Also mit französischem Geleit einmal um die Ecke, durch ein großes Tor, und wir fanden uns im Innenhof der Maison diocésaine Saint-Sixte wieder, einem ehemaligen Kloster, das uns und unsere Göttinnen für die kommenden zwei (oder eher anderthalb) Nächte beherbergen sollte.

Nach einer kurzen Nachtruhe und einem kleinen Frühstück ging es dann los mit den Vorbereitungen für den großen Tag. Wir wollten schließlich einen guten Eindruck hinterlassen, und so galt es, so gut es mit Bordmitteln eben ging die Spuren der Anreise von unseren Fahrzeugen zu tilgen. Während wir noch wischten und uns dabei miteinander bekannt machten (wir hatten die anderen ja bis dahin noch nie persönlich getroffen), stießen Jean-Pierre und Sébastien vom BCE zu uns. Jean-Pierre brachte uns Informationen über die Stadt Reims und das Programm der Veranstaltung mit und wir bekamen Klemmkärtchen, die uns offiziell als Veranstaltungsteilnehmer auswiesen.

Vor dem Start in Richtung Place d’Erlon, wo die teilnehmenden Fahrzeuge ab 10 Uhr ausgestellt werden sollten, wurde dann jedes noch mit drei Fähnchen über der Windschutzscheibe dekoriert: ein französisches auf der einen Seite, ein deutsches auf der anderen und ein Europa-Fähnchen in der Mitte. Weitere Fähnchen wurden an Bord genommen, um diese später während der Parade an die Zuschauer zu verteilen.

Glücklicherweise waren wir frühzeitig aufgebrochen, denn unterwegs streikte Sébastiens DS 23, also unter Gehupe einer vorbeifahrenden Hochzeitsgesellschaft alle rechts ran – das Problem sollte doch zu beheben sein. Die Dame weigerte sich aber standhaft, wieder anzuspringen, sodass wir sie vorerst zurücklassen mussten. Auf dem Place d’Erlon reihten wir uns dann in die bereits eingetroffene Oldtimerschar der Franzosen ein. Der Platz füllte sich zusehends, eine Motorradbrigade von Gendarmen auf historischen Motorrädern und der von de Gaulle seinerzeit benutzte Simca Présidence kamen hinzu – und auch Sébastien hatte seine 23er schließlich wieder zum Laufen gebracht.

Das Interesse der Bevölkerung an den ausgestellten Fahrzeugen war groß, das Wetter bestens und die Stimmung dementsprechend. Es fand ein munterer Austausch der Oldtimerbesitzer untereinander und mit interessierten Besuchern statt, an dem wir mit unseren limitierten Französischkenntnissen mehr schlecht als recht teilnahmen, aber siehe oben: Wo ein Wille und ein gemeinsames Interesse ist…

Nach einem Mittagessen im Restaurant „Lorraine“ kamen dann alle Parade-Teilnehmer voller Vorfreude auf den Platz zurück, der sich inzwischen noch mehr gefüllt hatte. Eine Musikkapelle spielte. Um halb drei dann der Start zur Parade – à la française: Die Gendarmen auf ihren Motorrädern starteten, der Simca folgte und alle anderen reihten sich nach Lust und Laune ein.

Etwa zwei Stunden lang ging es nun durch die Stadt Reims, für uns als Ortsunkundige gefühlt kreuz und quer, dabei aber soweit wie möglich dem Weg folgend, den seinerzeit de Gaulle mit Adenauer zur Kathedrale genommen hatte. Die Parade wurde in der Stadt mit großer Begeisterung aufgenommen, die mitgenommenen Fähnchen waren schon nach der Hälfte der Strecke alle verteilt und wurden zahlreich am Straßenrand geschwenkt, wenn wir vorbeifuhren. Kurz gesagt, alle Beteiligten hatten sehr viel Spaß an diesem Ereignis, und der wurde auch nicht dadurch getrübt, dass wir häufig einen Stopp einlegen mussten, da die Schlange durch einbiegende „Fremdfahrzeuge“ oder an roten Ampeln haltende Teilnehmer (sic!) auseinandergerissen wurde. Die Motorradstaffel vorn hielt dann gelegentlich an, bis alle wieder beisammen waren, und so erreichten wir schließlich doch noch geschlossen das Ziel.

Die Fahrzeuge wurden in einem abgeschlossenen Hof in der Nähe der Kathedrale geparkt, und wir gingen zu Fuß das kurze Stück zurück. Auf dem Programm stand eine Besichtigung des Kathedralmuseums, und wir erhielten auch Gelegenheit, uns im Palais du Tau eine Ausstellung über de Gaulle und Adenauer anzusehen, die offiziell erst am kommenden Tag eröffnet wurde. Beeindruckt hat mich persönlich dabei vor allem der Teil des Museums, der sich mit der Zerstörung der Kathedrale durch den Beschuss der deutschen Artillerie im Ersten Weltkrieg beschäftigt. Hier wird überdeutlich, wie symbolträchtig der gemeinsame Besuch von de Gaulle und Adenauer am 8. Juli 1962 dort war, und nun 50 Jahre später als Deutsche gemeinsam mit französischen Freunden am gleichen Ort stehen zu dürfen, ist ein großes Geschenk.

Zurück bei den Wagen, ging es (nach einigen Erinnerungsphotos, unter anderem einem Gruppenphoto mit dem Simca Présidence) auf schnellstem Wege (sprich rückwärts durch eine Einbahnstraße) wieder in unser Quartier. Unsere Göttinnen hatten nun für den Rest des Tages Pause, für ihre Insassen hieß es kurz frisch machen und umziehen, denn wir waren zu einem Konzert in der Kathedrale und dem anschließenden Empfang bei der Bürgermeisterin eingeladen.

Als wir nach kurzem Fußweg vor der Kathedrale ankamen, stand dort schon eine lange Schlange, in die wir uns Jean-Pierre sei Dank recht weit vorn einreihen durften, denn er stand dort bereits mit unseren Eintrittskarten. Das Wetterglück schien uns verlassen zu wollen, von Westen zogen sehr dunkle Wolken auf, doch wir schafften es tatsächlich noch rechtzeitig in die Kathedrale, bevor – pünktlich zum Konzertbeginn um 20:00 Uhr – der Wolkenbruch niederging. Die Kammerphilharmonie Karlsruhe spielte unterstützt vom Konzertchor der Uni Karlsruhe Beethovens Neunte, in solcher Umgebung und vor einem solchen Hintergrund ein erhebendes Werk. Leider war der Musikgenuss nicht ganz ungetrübt, denn die Tontechniker bekamen den Hall in der Kathedrale nicht recht in den Griff, und das Unwetter draußen tat ein Übriges. Der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch, und so endete das Konzert mit langem stehendem Applaus – der wohl in erster Linie dem Anlass des Abends galt.

Zum anschließenden Empfang der Mairie gelangten wir dann mit etwa 150 anderen Gästen trockenen Fußes über eine Verbindungstreppe zwischen Kathedrale und Palais du Tau. Dort hielt zunächst die Bürgermeisterin, Mme. Hazan, eine Rede und auch einige andere Würdenträger kamen zu Wort. Dem anschließend servierten Champagner und den scheinbar unendlich vielfältigen Cocktail-Häppchen sprachen dann alle mit großem Genuss zu.

Als der Empfang schließlich beendet war, hatte erfreulicherweise auch der Regen wieder aufgehört. So konnten wir uns noch in aller Ruhe das „Spectacle Rêve de Couleurs“ anschauen, eine phantastische, etwa halbstündige Lichtspiel-Projektion auf der Front der Kathedrale. Diese zu beschreiben, ist kaum möglich, nur soviel sei gesagt: Ein unglaublicher Tag fand damit einen würdigen Abschluss.

Der Weg zurück zur Unterkunft war zum Glück kurz, und so lagen wir schließlich gegen Mitternacht in unseren Betten – viel mehr Schlaf als in der vorangegangen Nacht sollte es aber nicht werden, zu viele Eindrücke wollten noch verarbeitet werden.

Am nächsten Morgen war dann zusammenpacken angesagt, bevor wir uns zum gemeinsamen Frühstück trafen. Für den Sonntag hatten wir kein festgelegtes Programm, wollten jedoch gerne noch zum offiziellen Termin von Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Hollande bleiben. Ob des sehr unbeständigen Wetters mit Schirmen „bewaffnet“ gingen wir also wieder zur Kathedrale, wo sich schon viele Menschen an den Absperrungen versammelt hatten. Es war eine große Video-Leinwand aufgebaut, auf der auch die weiter hinten Stehenden das Geschehen verfolgen konnten, wiederum wurden Fähnchen verteilt und viele freiwillige Helfer verteilten Informationen (die Veranstaltungen zu diesem Anlass in Reims waren ja nicht nur auf das Wochenende beschränkt, sondern es gab eine ganze Festwoche!).

Nacheinander trafen François Hollande und Angela Merkel ein und bewegten sich durch den freigehaltenen Korridor inmitten der Menge auf die Kathedrale zu. Beide Nationalhymnen wurden gespielt und eine im Boden eingelassene Gedenktafel wurde enthüllt. Dann gingen Merkel und Hollande in die Kathedrale, dort wurde Bach gespielt und es wurden Reden gehalten. Anschließend stand für die beiden dann der Besuch der Ausstellung und ein gemeinsames Essen im Palais du Tau auf dem Programm – und wir machten uns auf den Heimweg.

Da wir noch Champagner mitnehmen wollten, hatte sich Ingo schon morgens mit einem ihm bekannten örtlichen Champagner-Winzer in Verbindung gesetzt, der so nett war, sein Haus für uns kurzfristig zu öffnen. Dorthin ging es also zunächst noch im Konvoi. Vor Ort wurden uns dann eine Dégustation und eine kleine Führung durch den Betrieb angeboten, was wir gerne wahrnahmen, denn erstens war es sehr interessant und zweitens wollte wohl niemand von uns, dass das Wochenende schon zu Ende ging. Schließlich machten wir uns dann aber doch, mit mehr oder weniger viel von „Thierrys Edelbrause“ beladen, auf den Rückweg nach Hause.

Abschließend bleibt nur, unseren französischen Freunden nochmals ein herzliches Dankeschön zu sagen dafür, dass sie dieses Wochenende möglich gemacht haben. Wir durften im wahrsten Sinne des Wortes Gastfreundschaft erfahren und haben uns jederzeit willkommen gefühlt. Es war ein phantastisches Erlebnis!

Text:  Michaela & Chris       Fotos:  Ingo